Vegan leben: Vom Belehren und Tolerieren.

Am Wochenende hab ich mich ein bisschen über einen Kommentar eines FB-Users geärgert. Er schrieb zu meinen Toiletten-Tabs, dass es jawohl nicht zusammenpassen würde: „..vegan leben und unnötig Wasser verschmutzen..“. Er schien den Artikel nicht gelesen zu haben, noch interessierte ihn nach seinem abgegebenen Statement die Zutaten der Toilettenbombe noch meine Hintergedanken zu selbst gemachten Putzmitteln.

 

 

Ich finde es sehr erstaunlich, dass „vegan“ von vielen immer gleichgesetzt wird mit: Der Veganer meint immer, grundsätzlich alles richtig zu machen. Und im gleichen Atemzug wird nach einem Verhaltensfehler gesucht und dem Veganer vorgeworfen, was er falsch macht und was er denn zu ändern hätte. Und dann geht das Belehren los. Mich nervt das….

 

„Du darfst keine Lederschuhe tragen“.

 

Vegan zu leben bedeutet für manche, dass es ein Freibrief ist, sich in die Lebens- oder Verhaltensweise von Veganern einzumischen. „Nimmst du auch zusätzliche Vitamin-Präperate? Untersuchst du regelmäßig dein Blut? Vegan ist ja schon eine Mangelernährung…“ wird man belehrt, während der Nicht-Veganer genüsslich an seiner Zigarette zieht.  Fang ich an zu erklären, dass Rauchen schädlich ist? Nein. „Du darfst dann auch keine Lederschuhe tragen.“ Nein, als 100% korrekter Veganer darf man das nicht. Als gute Mutter oder Vater sollte man aber auch keine Kleidung tragen, die aus Bangladesh stammt und von Kindern hergestellt wurde. Trotzdem hat Kik oder Primark reißenden Absatz. Selbst Markenkleidung wird mit untersten Arbeitsbedingungen in Asien hergestellt. Werfe ich das irgendwem vor? Oder dass man 200 m mit dem Auto fährt, statt zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren? Nein.

 

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum man sich für eine vegane Ernährung entschieden hat. Bevor also jemand anfängt, die Fehler aufzulisten, kann man ja erstmal freundlich fragen, warum man denn vegan lebt. Oder es einfach sein lassen. Ich frage ja auch nicht, warum jemand raucht.

 

Zwei Sichtweisen und die persönliche Wahrnehmung

 

Zu meinem Eierlikör hat sich übrigens auch der ein oder andere geäußert: „Vegan, wenn ich das schon höre…“ oder „Das ist Puddinglikör und kein Eierlikör“. Ja, natürlich ist es kein echter Eierlikör. Aber, liebe Nicht-Veganer, betrachtet es doch auch mal aus dieser Sichtweise:

 

Jemand hat sich aus persönlichen Gründen (Unverträglichkeiten, ideelle Gründe…) für eine vegane Ernährung entschieden. Der Verzicht auf Etwas bedeutet ja nicht, dass derjenige es nicht vermisst. Und gerade in meinem Fall, möchte ich einfach diese Ernährungsumstellung durchhalten. So suche ich nach Alternativen, die nah an das Herankommen, was ich gerne mochte. Veganes Schnitzel oder eben auch Eierlikör.

 

Genauso sollte man sich als Veganer ebenfalls nicht dazu verleiten lassen, einem Nicht-Veganer die Birne als Apfel zu verkaufen. Veganisierte Ersatzprodukte sind nun mal anders im Geschmack und/oder in der Konsistenz und für diejenigen, die alles essen dürfen/möchten, eben deutlich anders. Der euphorische Veganer hingegen, der sich einfach darüber freut, eine so gut gelungene Alternative zu seinen Tierprodukten gefunden zu haben, nimmt diese tierfreien Produkte ganz anders wahr und empfindet sie als identisch.

 

Genauso kann ich es auf selbst gemachte Haushaltsprodukte anwenden: Demjenigen, dem es egal ist, was im Spülmittel oder Shampoo enthalten ist, dem brauche ich keine selbst gemachte Alternative vorsetzen als das Non-Plus-Ultra. Das funktioniert nicht. Derjenige findet das Haar in der Suppe. Für diejenigen, die sich aber nicht ganz wohl damit fühlen, hormonbelastete Shampoos oder gewässerverunreinigende Spülmittel zu verwenden, die Lust haben, solche Sache mit einfachen Mitteln selber herzustellen, die nehmen die Alternativen ganz anders wahr und empfinden sie als sehr gute Lösung.

 

Ich könnte es auch noch weiterführen auf Thermomix-Liebhaber und Thermomix-Hasser. Es ist alles eine persönliche Wahrnehmung und was für den einen die große Haushaltsmaschinenliebe ist, muss für den anderen nicht zwingend das Produkt schlechthin sein und kocht lieber weiter in Töpfen.

 

Leben und leben lassen!

 

Was ich sagen will: Leben und leben lassen!

Lasst den Nicht-Veganern ihr Steak und den Veganern ihren Gemüsebratling, streitet euch nicht über den Sinn und Zweck eines Thermomixes mit jemandem, der den Sinn und Zweck dieser Küchenmaschine nicht sieht. Kommt einfach miteinander aus. Toleranz und so. Ihr wisst schon.

  

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Kommentare: 4
  • #1

    Elke (Montag, 14 März 2016 13:18)

    Du hast sooo recht!

  • #2

    Männle (Montag, 14 März 2016 13:34)

    Amen!

  • #3

    Stoner (Mittwoch, 16 März 2016 02:27)

    "Veganisierte Ersatzprodukte sind nun mal anders im Geschmack und/oder in der Konsistenz und für diejenigen, die alles essen dürfen/möchten, eben deutlich anders. Der euphorische Veganer hingegen, der sich einfach darüber freut, eine so gut gelungene Alternative zu seinen Tierprodukten gefunden zu haben, nimmt diese tierfreien Produkte ganz anders wahr und empfindet sie als identisch. " (y) Dicken Knutscha , unbekannterweise :* und es macht einen riesigen Spaß Deinen Rezeptentwicklungen zu folgen! Eines der genüßlichsten, schmachofatzigsten Nebenprodukte vegan zu sein: Du wirst immer satt, wenn vegan draufsteht ;) Koche z.B. einen Möhreneintopf oder, oder, zwacke dir den Teil ab, den du verputzen willst und schreib drauf oder sage.... vegan! Klappt! Bei Familie, Mitbringparty etc. pp. ...sowieso ;) Bleibe bitte weiterhin so ex­pe­ri­men­tier­freu­dig! Liebe Grüße und vielen Dank <3

  • #4

    Nicola (Mittwoch, 16 März 2016 16:48)

    Hallo Amelie,
    ich pflichte dir bei und bin ganz und gar deiner Meinung. Ich bin weder Vegetarier noch Veganer, muss mich aber für 6 Wochen strikt laktosefrei ernähren. Deine Seite ist daher für mich der volle Genuss,da vegan in dieser Situation zu 100% funktioniert.
    Deine Haus-und Kosmetikalternativen finde ich total spannend und fantastisch,wenn ich mir mein Gespülmittel plötzlich zu Hause herstellen kann,statt es zu kaufen.
    Was ich sagen will,mache bitte weiter so und inspirier uns alle zu einem gesünderen und umweltfreundlichen Miteinander.
    Meine Familie und ich sind von all den Rezepten "essbar oder spülbar" total begeistert.
    Vielen lieben Dank und die liebsten Grüße,
    Nicola